ich steine, du steine
header
"Ich kenne da ein Mädchen. Eines Morgens ist sie neben dem leblosen Körper ihres Freundes aufgewacht. Er war quasi da, aber auch nicht da. Stell dir das mal vor, sie wacht auf und er ist weg. Das muss furchtbar sein." Ich blicke starr auf das Muster der Holzmaserung des Tisches, kratze mit dem Fingernagel die Rillen aus und schnipse die Holzreste unbedacht weg. Aus unseren Kaffeetassen steigt der Dampf auf. Sie rührt mit dem Löffel den Schaum unter die Flüssigkeit und blickt mich an. "Denkst du da oft dran?", fragt sie vorsichtig. "Ich meine, wenn du neben ihm liegst?" Ein leichter Schauer rinnt den Rücken herab, die Härchen stellen sich auf. Ein Gedanke an dich reicht um meinen Körper auf Spannung zu bringen. Ich nehme die Tasse in die Hand, setze sie vorsichtig an und nippe leicht am Kaffee. Einen Moment schweige ich. "Weißt du, es ist unendlich schön ihn an meiner Seite zu haben", sage ich dann. "Es ist leicht und frei und es kitzelt überall. Und bisher dachte ich, das muss so sein, denn es ist frisch und rosa und neu. Ich habe dem Ganzen keine große Bedeutung beigefügt. Aber seit ich diese Geschichte gehört habe, liege ich manchmal nachts neben ihm und halte vorsichtig eine Hand über seinen Mund und seine Nase, um sicher zu gehen, dass er noch atmet. Dass er noch da ist. Ich dachte, dass wäre gar nicht so groß, aber vielleicht hab ich mich getäuscht." Ich verstumme. Und sie nickt und lächelt und versteht. Dann trinken wir unseren Kaffee weiter.
24.8.16 16:29
 


bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


(7.11.16 06:39)
"Wer bin ich.." "Ich weis nicht recht was du meinst, wer möchtest du denn sein?" Stumm bleibend blicke in das dunkelgrüne Plätschern am Steg. Die kleinen Wellen spielen mit dem leuchtenden Moos und jedes Hin und Her lässt es wieder glänzen. "Ich dachte immer ich wäre mehr, größer irgendwie." "Wer du für dich bist kann ich dir nicht beantworten..aber für mich bist du riesengroß!" Meine Zehenspitzen streifen das Wasser. Mein Blick wird starr und eines dieser unkontrollierbaren Lächelns durchzieht mein Gesicht. "Hey jetzt denk nicht mehr an alte Kamellen. Wir sind hier um endlich los zu kommen von allem." Ich nicke und wende meinen Kopf zu ihr. Auch sie streift mit ihren Füßen sanft durchs Wasser. Ihre Augen ebenfalls an die kleinen Wogen gebannt und die Meeresbriese lässt ihre losen Haarsträhnen tanzen. Ein Gefühl von Schwerelosigkeit und Leichtigkeit steigt in mir auf: "Und du kleiner Mensch bist größer als ich es jemals sein werde."

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)



 Smileys einfügen
Gratis bloggen bei
myblog.de